Dienstag, 6. August 2013

Die Wahrheit des Fundamentalismus

In der heutigen Zeit, vor allem nach dem 11. September 2001, klingt der Terminus „Fundamentalismus“ sehr häufig in den Medien auf. Selbstmordattentäter, Menschen, die im Namen der Religion oder Gottes Kriege führen und unschuldige Menschen umbringen, werden dort als Fundamentalisten bezeichnet. Auf der anderen Seite existieren auch andere Arten des Fundamentalismus.[1] Doch was genau ist der Fundamentalismus? Im weiteren Verlauf werde ich dabei ausschließlich auf den religiösen Fundamentalismus eingehen.
Warum ist dieser stets negativ geprägt? Ist Fundamentalismus tatsächlich von Gewalt geprägt und was genau kann als fundamentalistisch bezeichnet werden? Es kann zwar nicht exakt definiert werden, was genau als Fundamentalismus bezeichnet wird, da der Begriff inzwischen sehr individualistisch geprägt ist. Allerdings soll er ansatzweise erläutert werden.

Zunächst wäre es wichtig, auf die Geschichte des Begriffs einzugehen. Der Terminus „Fundamentalismus“ hat einen religiösen Ursprung. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde dieser in Nordamerika gegründet. In einer Bibelkonferenz der dortigen protestantischen Kirchen sahen sich die Anhänger von der Moderne bedroht und beriefen sich auf ihre zwölfbändige Schriftreihe „The Fundamentals“: „The Testimony to the Truth“, die von 1910-1912 von A. C. Dixon und R. A. Torrey herausgegeben wurde. Und ihre Devise lautete, sich zurück zu den Fundamenten, auf Grund der für sie bedrohlichen Moderne, zu begeben. Hier kam das Wort erstmals in der gesamten Sprachgeschichte vor.[2] Die ‚Fundamentals’ aus den USA wehrten sich also gegen die Liberalität, Mobilität und Pluralität. Sie taten dies, da die heiligen Texte und institutionalisierten Autoritäten begründungspflichtig wurden. Somit wurde die evangelische Tradition der Bibel und die katholische Tradition des kirchlichen Lehramtes angefochten, was wohl der Auslöser für diesen Aufruhr darstellte.[3] Das heißt, dass die Überlegenheit der profanen Gesellschaft gegenüber dem Religiösen, von dieser Gruppierung nicht akzeptiert wurde.
So gründeten im Jahre 1919 die Anhänger der protestantisch amerikanischen Christen die „World’s Christian Fundamentals Association“. Sie akzeptieren nicht die modernen Auffassungen ihrer Religion, und waren quasi von der Unantastbarkeit der Schrift beziehungsweise der Lehre der Religion, überzeugt. Von diesem Zeitpunkt an, wurde dieser Begriff, im Zusammenhang mit dieser Art des christlichen Glaubens, populär.[4] Also kann gesagt werden, dass sich der Fundamentalismus, in diesem Falle, der Modernisierung der Religion entgegensetzte. Folgende Standpunkte wurden vertreten: 1. Die buchstäbliche Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift, 2. die Nichtigkeit aller modernen Theologien und Wissenschaft, in dem Falle, dass sie dem Bibelglauben widersprachen, 3. die Überzeugung, dass Jemand, der diesen fundamentalistischen Standpunkt nicht teilt, kein wahrer Christ sein könne 4. der Einspruch gegenüber des modernen politischen Grundsatzes der Trennung von Staat und Kirche.[5] Diese Standpunkte sind sehr deutlich und weisen auf eine eindeutige Strömung gegen den Modernisierungsprozess der Gesellschaft hin. Doch der Begriff beschränkte sich nicht nur auf diese Gruppierung beziehungsweise auf diese Art des Glaubens.
Im weiteren Verlauf der Geschichte, genauer in den sechziger Jahren, wurde der Begriff von kritischen Rationalisten verwendet. Er wurde gegen jene verwendet, die darauf beharrten, dass es für jeden Erkenntnisbereich nur eine Theorie gäbe und andere Erklärungen für nichtig hielten. Ende der siebziger Jahre fand der Begriff derartigen Gebrauch, wie er noch bis heute verwendet wird. Hierbei wurde sich auf die „Islamismus-Renaissance“ im Iran bezogen, die mit Khomeini, dem spirituellen Führer der islamischen Revolution, in Verbindung gebracht wurde. In diesem Kontext wird der Terminus ‚Fundamentalismus’ für die Auslegung des Islam verwendet, die sich in diesem Zusammenhang, im Grunde genommen wie die World’s Christian Fundamentals Association, auf einen totalen Wahrheitsanspruch der heiligen Texte und der Überlieferung gegen die Moderne bezieht, die Wissenschaft aus dem Westen keineswegs akzeptiert und eine Einheit von Religion und Politik beansprucht. Außerdem wurde der Begriff für die Bezeichnung von politischen Anschauungen verwendet. Er beschreibt die Stellung, die sich auf Kompromisslosigkeit oder auch auf Gewalt in der politischen Konfrontation bezieht.[6] Hier könnte beispielsweise auf die politische Ideologie Hitlers oder die des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-ils verwiesen werden.
Jeder dieser vier Bereiche stellt sich gegen eine bestimmte Norm, die nicht in die mit ihren Vorstellungen übereinstimmenden Grundsätze passt. Der Fundamentalismus, der in der Moderne sehr negativ geprägt ist und sich augenscheinlich gegen die Moderne stellt, könnte quasi als ein Produkt der Moderne und der Aufklärung selbst bezeichnet werden. Dies liegt daran, dass die Aufklärung und Modernisierung viele der alten Traditionen und Normen quasi beseitigte, und ihre Vorstellung von Freiheit in den Mittelpunkt gestellt hat. Durch die geschaffene Freiheit, sollten die Menschen selbst und unabhängig denken und handeln können. Die Menschen befanden sich demnach in einer Zeit, in der sie sich zwischen verschiedenen Extremen befanden und entscheiden mussten. Diese freie Entscheidung in der Zeit der Aufklärung, war für die Menschen neu. Diejenigen, die sich nicht für die ‚moderne’ Form entschieden, wollten auf ihrem alten ‚Fundament’, also den Grundlagen, beharren. Dies ist nicht verwunderlich, denn die Einführung einer neuen Norm beziehungsweise Denkweise, wird bekanntermaßen nicht umgehend von allen beherzigt.[7] Darüber hinaus bietet die Moderne dem Menschen, wie in keiner anderen Zeit, einen großen Raum zur Entfaltung des eigenen Ichs. Das Individuum steht im Mittelpunkt und ist in der Lage über sich und das eigene Verhalten zu entscheiden. Das heißt, dass also der Fundamentalismus, wie Meyer es beschreibt, ‚der selbstverschuldete Ausgang aus den Zumutungen des Selbstdenkens, der Eigenverantwortung, der Begründungspflicht, der Unsicherheit und der Offenheit aller Geltungsansprüche, Herrschaftslegitimationen und Lebensformen, denen Denken und Leben durch Aufklärung und Moderne unumkehrbar ausgesetzt sind, in die Sicherheit und Geschlossenheit selbsterkorener absoluter Fundamente.’ [8] Dieser Definition zu Folge ist der Fundamentalismus ein Ausgang aus der Moderne und dem damit zusammenhängenden Selbsthandeln und der Eigenverantwortung. Dabei werden die Zustände, die aus dem Modernisierungsprozess entstehen, nicht anerkannt und sind mit den eigenen Fundamenten nicht vereinbar. Außerdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Moderne und der Fundamentalismus, zwei sehr gegensätzliche Elemente darstellen. Ohne die Moderne würde ein Fundamentalismus nicht entstehen. Demnach besteht eine gewisse Interdependenz zwischen den beiden gegensätzlichen Phänomenen.[9] Eine weitere Definition von Christian Jäggi wäre, ‚dass fundamentalistische Verhaltensweisen einen letztlich erfolglosen – weil immer abwehrenden und damit gewaltsamen – Versuch rückwärts gerichteter Rebellion gegen soziale Entfremdung, ethnisch-kulturelle Entwurzelung, weltanschauliche Heimatlosigkeit und gesellschaftlichen Wertezerfall der Moderne und der Postmoderne darstellen.’[10] Er bezeichnet die fundamentalistischen Verhaltensweisen als erfolglos, da diese stets mit Gewalt geprägt seien, und als eine Opposition gegen diverse Aspekte der Moderne. Diese Aspekte, wie die ‚ethnisch-kulturelle Entwurzelung’, sind, wie bereits erwähnt, Ergebnisse der vermeintlichen Aufklärung und des Modernisierungsprozesses. Allerdings bezeichnet er fundamentalistische Verhaltensweisen als stets gewaltsam. Ob diese Gewaltbereitschaft noch als fundamentalistisch bezeichnet werden kann, erscheint nach der Begriffsgeschichte und Erläuterung als fragwürdig.


Die genaue Bedeutung des Begriffes


Nun wäre es interessant zu wissen, was genau der Terminus ‚Fundamentalismus’ bedeutet. Hier wäre es wichtig, sich auf die Worterläuterung von Karen Armstrong aus ihrem Buch „Im Kampf für Gott“, zu fokussieren. Sie schreibt, dass eine wörtliche Übersetzung des Begriffs in den arabischen Terminus usiliyya: ‚Wurzeln’ bedeutet. Das heißt, dass man sich auf die Quellen und Normen, des Islam bezieht. Im Christentum läuft es auf die selbe Bedeutung hinaus. Die Quellen und, in diesem Fall, die Wahrheit der Religion, sind indiskutabel.[11] Dies liegt anscheinend daran, dass die Texte auf Grund der Heiligkeit und dem unveränderbaren Wort Gottes nicht diskutabel sind. Darüber hinaus wird keine Interpretation des Menschen akzeptiert und so werden die Texte wortwörtlich angenommen.
Es gibt den Fundamentalismus nicht nur im religiösen Sinne, sondern auch in anderen Formen. Wie bereits erwähnt, existiert dieser in der Politik, in der Kultur und anderen Anschauungen. Vor allem seit dem 11. September 2001 wird der Begriff mit fanatisch religiösen Menschen, die für ihren Glauben, in diesem Fall den Islam, andere Menschen umbringen und in Angst versetzen, in Zusammenhang gebracht. Der Religionswissenschaftler Waardenburg beschreibt Religionen als Orientierungssystem, was aber nur so lange Geltung hat, wie die Werte und Normen dieses Orientierungssystems ernst genommen und gelebt werden.[12] Im negativ geprägten religiösen Fundamentalismus werden zwar ebenfalls Werte und Normen ernst genommen, jedoch nur auf eine undifferenzierte Weise. Dadurch entsteht ein negatives Orientierungssystem. Fanatische Handlungen, bei denen Menschen in Angst versetzt werden oder umgebracht werden und dabei die Werte und Normen des Orientierungssystems, dem der Akteur sich zugehörig fühlt, verlassen werden, könnten im Umkehrschluss somit der Definition von Waardenburg zufolge nicht als religiöse Handlung bezeichnet werden. Durch die Definition des Terminus ‚Fundamentalismus’, ist nun deutlich geworden, dass dieser Begriff sich auf die Fundamente beziehungsweise Wurzeln einer bestimmten Anschauung zurück besinnt. Von der Begriffsbedeutung her, gibt es keine Indizien dafür, dass dieser Terminus von Gewalt oder ähnlichem, geprägt ist.



Fundamentalismus versus Fanatismus


Begriffe und Bezeichnungen sind bekanntermaßen ein sehr wichtiges Element, um Gegenstände oder Angelegenheiten zu beschreiben. Wird nun ein Begriff für zwei gegensätzliche Angelegenheiten verwendet, so könnte dies durchaus zu Verwirrungen führen. In diesem Fall wird ein und der selbe Begriff dafür verwendet Gruppen zu beschreiben, die sich stark auf die Fundamente ihrer Religion beziehen und diese leben und ebenso wird der gleiche Begriff für gewaltbereite Gruppierungen eingesetzt. Nachdem nun der Terminus Fundamentalismus definiert wurde, sollen nun der Begriff Fanatismus beschrieben werden, um eine Differenzierung zu dem Begriff Fundamentalismus aufzuzeigen.
Auch “Fanatismus“ wird heute, wie „Fundamentalismus“ mit negativen Aspekten in Verbindung gebracht. Zunächst wäre es auch hier wichtig, auf den Begriff einzugehen, um festzustellen, was dessen Wurzel bedeutet. Ursprünglich wurde der lateinische Stamm fas oder fes, für eine religiöse Handlung verwendet. Der Terminus fanum, wurde für den heiligen Ort, damals der Tempel, eingesetzt. Als fanaticus wurde die Person bezeichnet, die um diesen fanum, also heiligen Ort, ‚umherraste’. Der Begriff ‚umherrasen’ lässt sich von dem Begriff fanari herleiten.[13] Dieses ‚Umherrasen’ bezeichnete die Art einer Tempelekstase. Allerdings wurde dieser Begriff nicht nur dafür angewandt, denn aus römischer Sicht galt dieser Begriff dem Kult außerrömischer Götter. Aus christlicher Sicht wurden heidnische Priester und Kultdiener als fanatici bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde so bis ins sechszehnte Jahrhundert verwendet.[14] Dann änderte sich die Begriffsverwendung mit der Zeit. So wurden beispielsweise religiöse ‚Schwärmer’ von den Reformatoren als fanatici bezeichnet. Aus katholischer Sicht wurde wiederum der Protestantismus mit diesem Begriff abgewertet. So wurde der Begriff des ‚Fanatismus’ im Laufe der Zeit stets auf etwas Anderes angewandt. Nach der französischen Revolution wurde allerdings der Begriff mit gewissen politischen Erscheinungen in Verbindung gebracht. Denn die Revolution versuchte den Fanatismus zu beseitigen, doch die Herrschaft von Robespierre und die des Jakobinertums, hatten selbst fanatische Züge angenommen. So wurde der Fanatismus als eine Einstellung bezeichnet, die sich von den eigentlichen Inhalten einer Position abkoppelt. Und diese einzelne separierte Einstellung einer Person oder Bewegung wurde als ‚fanatisch’ bezeichnet.[15]
So kann gesagt werden, dass die Begriffe „fanatisch“ oder „Fanatismus“ jedoch immer und auch heute in der Regel für Glaubenseinstellungen verwendet wurden und werden, die dem Zeitgeist und der subjektiven Vernunft bestimmter Gruppen widersprachen. Wohingegen der Begriff „Fundamentalismus“ sich auf das sich-Beziehen und Ausleben der Wurzeln von bestimmten Lehren, beziehungsweise religiöser Lehren, bezieht. Diese beiden Begriffe sind somit nicht als gleichwertig zu betrachten. Es könnte allerdings gesagt werden, dass von außen auf den Fundamentalismus oder aus dem Fundamentalismus heraus, ein Fanatismus entstehen könnte. Entweder, weil ein Besinnen auf die Fundamente einer Religion dem Zeitgeist widerspricht und somit eine fundamentalistische Gruppierung extrinsisch als fanatisch bezeichnet wird. Oder wenn eine fundamentalistische Gruppe ihre Interpretation und Lebensweise, nahe an den Fundamenten ihres Glaubens, als einzig wahrhaft erachtet und entgegen gesetzte Lehren als fanatisch ansieht. Seit dem 11. September 2001 wird Fanatismus vor allem mit dem Aspekt der Gewalt assoziiert.[16]
Eine dem gegenwärtigen Zeitgeist entsprechende Definition liefert der Psychologe und Psyschoanalytiker L. Bolterauer. Er bezeichnet hier den Fanatismus als ‚eine überstiegene leidenschaftliche, alle Kräfte, Fähigkeiten, Interessen eines Menschen total aktivierende und kaptivierende >monomane< Hingabe an eine sittliche Gemeinschaftsaufgabe, wobei im Bestreben, dieses Ziel uneingeschränkt (>radikal<) zu verwirklichen, keine Rücksicht auf andere Pflichten genommen wird und zur Bekämpfung der Gegner bei subjektiv gutem Gewissen alle Kampfmittel, auch sittlich verwerfliche, rücksichtslos eingesetzt werden’[17]. Interessant an dieser gegenwärtigen Definition, in Bezug auf den ursprünglichen Sinn des Begriffs „Fanatismus“, ist der vorkommende zentrale Ausdruck „Hingabe an eine sittlich Gemeinschaftsaufgabe“.
Im Gegensatz zu der bisherigen Anwendung von „Fanatismus“ auf diverse Gruppen und Ansichten, die nicht der Norm entsprachen, wird hier der Versuch gewagt eine allgemein gültige Definition zu geben, die im heutigen Sinn alle „Fanatiker“ vereint, unabhängig ihrer sonstigen Ansichten und (religiösen) Lehren. Ausschlaggebend dabei ist die Art und Weise wie „Fanatiker“ nach dieser Definition vorgehen: leidenschaftlich, rücksichtslos und unter der Bereitschaft diverse Kampfmittel einzusetzen. Aber auch diese Definition hat nicht die gleiche Bedeutung, wie „Fundamentalismus“, der sich auf die Wurzel oder auf das Fundament der Religion bezieht. Allerdings kann es auch hier passieren, dass zum neutralen Fundamentalismus Fanatismus, im bolterauerschen Sinne, hinzukommt und so ein fanatischer Fundamentalismus entsteht. Darüber hinaus darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es neben dem ‚Einzelfanatismus’ auch einen ‚Massenfanatismus’ geben kann. Einzelne Menschen können sich demnach einer großen Masse von Fanatikern anschließen, welcher wiederum auch ‚ansteckend’ wirken kann.[18] Hier könnten als Beispiel so genannte ‚Selbstmordattentäter’ aus der nördlichen Provinz Afghanistans genannt werden, die hierzulande, vor allem nach dem 11. September 2001, bekannt sind. Diese kämpfen rücksichtslos im Namen Gottes und sind überzeugt von ihrem Handeln. Passend dazu zitiert Hole außerdem aus religionspsyschologischer Sicht B. Grom. Er bezeichnet den Fanatismus als einen rücksichtslosen ‚Kampf für eine heilige Sache, dessen Kern die Überidentifikation mit einer Überzeugung und einem Ideal religiösen und philosophischen Inhalt ist’. Außerdem ‚fühle sich der Betreffende, im Gegensatz zum schlichten Gläubigen, im fanatischen Einsatz grandios als kämpfender Held. [...]’ (Hole 2004:42-43) Hier wird deutlich, dass sich der Fanatiker mit einem bestimmten Glaubensinhalt überidentifiziert und dementsprechend handelt.[19] Aus einem Fanatismus für eine bestimmte Ideologie oder Lehre, wird dann so ein Fanatismus gegen das, was dieser Ideologie widerspricht.



Der Einfluss der Tradition


Eine weitere Komponente, die zu solchen Aktionen führt, ist die Tradition. Diese wird als die Weitergabe von Kulturbesitz und Moralanschauungen auf die folgenden Generationen verstanden. Und demnach ist Traditionalismus eine geistige Haltung, die bewusst an einer bestimmten Tradition festhält und neuen Ansichten kritisch gegenüber steht. Dadurch kann es sogar zu einer Bekämpfung der neuen Ansichten kommen, da diese nicht mit der eigenen Tradition konform sind.[20] So ist es ebenfalls mit den ‚religiösen Traditionalisten’, die an einer bestimmten Tradition, die des Öfteren nicht mit den religiösen Lehren zu vereinbaren sind, beharren. Als ein äußerst aktuelles Beispiel für Fanatismus und dem so eben benannten Traditionalismus, könnte der Fall von Malala Yousafzai aus Pakistan aus dem Swat-Tal aufgeführt werden. Die vierzehnjährige Pakistanerin hatte das Bedürfnis, sich Wissen anzueignen und in die Schule zu gehen. Doch die Taliban, die das dortige Gebiet besetzen, verkünden ein Schulverbot für Mädchen. Sie und weitere Mädchen besuchen trotz dieses Verbots die Schule, und darüber hinaus wendet sich Malala durch einen Blog an die Öffentlichkeit, um gegen die Aktion der Taliban zu protestieren. Ihres Erachtens nach sollten Jungen sowie Mädchen die Schule besuchen dürfen. Die Taliban duldeten dieses Wiederwort nicht und schossen auf das Mädchen und ihre zwei Schulkameradinnen. Malala und ihre Freundinnen überleben dieses traditionalistisch motivierte Attentat. Auch in dem hier aufgeführten Artikel wird bereits in den ersten Zeilen deutlich, dass die Täter als ‚Fundamentlisten’ bezeichnet werden.[21] Allerdings sollten diese vielmehr als Fanatiker oder Traditionalisten bezeichnet werden. Jedenfalls wird klar, dass dies der Begriffsbedeutung zu Folge keinesfalls eine ‚fundamentalistische’ Tat sein kann. Denn schaut man sich die islamischen Quellen bezüglich des Aspekts der Bildung an, ist erkennbar, dass die Bildung von Mädchen sowie Jungen, einen äußerst essenziellen Bestandteil des Islam darstellt. Dazu heißt es in einem Hadith, also dem Ausspruch des Propheten Mohammed, dass derjenige das Paradies erwirbt, der seine Tochter gut behandelt, und ihr eine gute Bildung und Erziehung angedeihen lässt.[22] Daran, und an vielen anderen Beispielen, ist deutlich zu erkennen, dass die Bildung einer Frau ein essenzieller Bestandteil ist und diese Tat keinesfalls mit dem Fundament des Islam begründet werden kann.





[1]http://www.sueddeutsche.de/kultur/die-ketzerei-des-fundamentalismus-hoeher-als-gott-1.1326913
[2] Vgl. Pfürtner, S., Fundamentalismus, S. 47
[3] Vgl. Deuser, H., Religiöser Fundamentalismus, S. 6
[4] Vgl. Meyer, T., Fundamentalismus in der modernen Welt, S. 13
[5] Ebd., S. 13-14
[6] Ebd., S: 14-15
[7] Ebd., S.15ff.
[8] Ebd., S. 18
[9] Ebd., S.20ff.
[10] Jäggi, C., Fundamentalismus, S.15-16
[11] Vgl. Armstrong, K., Im Kampf für Gott, S. 10-11
[12] Scagnetti-Feurer, T., Himmel und Erde verbinden, S. 29
[13] Vgl. Hole, G., Fanatismus, S.44
[14] Ebd., S.45
[15] Ebd., S.45
[16] Ebd.,S. 9
[17] Ebd., S. 42
[18] Ebd., S.47
[19] Vgl. Hole, G., Fanatismus, S.43
[20] Vgl. Von Bose, A., Traditionalismus, S. 4
[21]http://www.sueddeutsche.de/politik/aktivistin-malala-yousafzai-das-maedchen-das-die-taliban-fuerchten-1.1492951
[22] Sunan Abu Dawud - English Translation with Explanatiory Notes by Prof. Ahmad Hasan, Vol.3, Kitāb al-Adab - Chapter 1839, New Dehli (5.Auflage) 2001, S.1424

Kommentare:

  1. 1,0 und soooo ;D hast du die arbeit auf englisch übersetzen lassen und hudhur geschickt?? :)

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    1. Neinn, leider nicht, muss noch jemanden finden, der mir das übersetzen könnte :((

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